deutsch englisch
Videoüberwachung - Alarmanlagen europaweit ...

Solarzellen in Gefahr

Fotovoltaik ist mittlerweile Massenware und trotzdem teuer.
Das lockt Diebe an. Und nun auch Hersteller von Alarmsystemen

Dazu braucht man eine gehörige Portion Dreistigkeit: Wenn Diebe nachts auf dem Dach eines Einfamilienhauses
herumturnen und dort Solarmodule abschrauben, sind sie unter Umständen weit sichtbar und können schnell entdeckt
werden. Und doch häufen sich in den vergangenen Jahren Diebstähle von Solarmodulen. Angesichts garantierter Einspeisetarife
für Solarstrom durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist der Ertrag bei einem gelungenen Beutezug lohnend, da die Module derzeit
reißenden Absatz finden.

Eine durchschnittlich große Solarstromanlage mit 40 Quadratmeter Kollektorfläche kostet um die 16 000 Euro. Auch wenn die Anzahl
der Diebstahlfälle von Solarmodulen angesichts von Tausenden Diebstahldelikten im vergangenen Jahr sehr gering ist – für die betroffenen
Besitzer der Solaranlagen bedeutet der Diebstahl trotzdem hohen finanziellen Schaden.

Dabei wird es den Dieben oft auch zu leicht gemacht: Befestigt sind die teuren Module auf dem Dach oft nur mit ein paar Schrauben
auf einer Schiene. Wenige Werkzeuge wie Zange und ein Maulschlüssel in der richtigen Größe reichen dann bereits aus, um sie
abzubauen. „Kabel werden durchgetrennt, Halterungen abgeschraubt oder abgerissen. Nicht nur der Diebstahl der Solarmodule,
sondern auch das Abreißen der Befestigungen und der Verkabelung verursachen große Schäden. Der Abtransport ist in den meisten Fällen
auch nicht allzu schwer, da die Module oft weniger als 20 Kilogramm wiegen“, erläutert Nancy Haacker vom Alarmanlagenhersteller
Alarm Direct.

Besitzer von Solarstromanlagen sollten das Diebstahlrisiko ihrer Anlage deshalb genau einschätzen – zum Beispiel überprüfen, ob sie am
Rande eines Waldes wohnen, wo Diebe nachts ungestört hantieren könnten. Die Firma Alarm Direct bietet nun ein neues speziell entwickeltes
System an, mit dem Solaranlagen überwacht werden können.

„Die einzelnen Solarmodule werden mit einem Alarmdraht oder mit speziellen Kontakten gesichert“, sagt Haacker. Werden Module gelöst
oder entfernt, wird eine stille Alarmmeldung abgesetzt. Ferner können akustischer und optischer Alarm sowie Scheinwerfer aktiviert
werden. Eine versteckte Kamera kann die Diebe per Foto festhalten. Darüber hinaus gibt es spezielle Befestigungssysteme, die sich zusätzlich
anbringen lassen, um den Diebstahl zu erschweren. Wissenschaftler der auf erneuerbare Energien spezialisierten staatlichen Forschungsanstalt ENEA aus Italien
haben im vergangenen Jahr sogar eine Diebstahlsicherung für Solarmodule entwickelt. Das über GPS gesteuerte „PV Guardian“-System
besteht aus einem Chip, der bereits während der Fertigung der Fotovoltaikzelle in der Fabrik eingebaut wird. In den Chip werden die geografischen
Koordinaten einprogrammiert, an denen die Anlage aufgestellt werden soll. Wird das Panel abgebaut und an einen anderen
Ort transportiert, muss es von einem zugelassenen Experten umprogrammiert werden. Nur ein bestimmter Personenkreis ist im Besitz
des dazu erforderlichen Geheimcodes. Wird ein Passwort nicht oder falsch eingegeben, so wird das Modul nach wenigen Sekunden
funktionsunfähig.

Wer hier jedoch nicht weiter investieren möchte, kann den Diebstahl von Solarmodulen ganz einfach dadurch erschweren, indem er
etwa den Rahmen der Solarmodule anstreicht und sie damit unverwechselbar macht. Wer überstehende Schrauben abflext, macht die
Demontage ebenfalls schwieriger. Ist man länger verreist, könnten Anfahrtsbarrieren den Abtransport erschweren, eine spezielle Fotovoltaikversicherung
schützt vor finanziellem Schaden, wenn die Anlage nicht über die Gebäudeversicherung abgedeckt ist. Käufer von gebrauchten
Solarmodulen ohne genauen Herkunftsnachweis sollten misstrauisch werden, wenn die Module ohne Verpackung geliefert
oder angeboten werden.

Gute Neuigkeiten gibt es von den Herstellern selbst: So wird es schwieriger für die Diebe, die Module zu verkaufen, da mittlerweile
jedes Modul vom Hersteller mit einer eigenen Identifikationsnummer versehen wird. In offenen Registern sind die Solarmodule zudem
eingetragen und Käufer können so seine Herkunft überprüfen. Ein Register über gestohlene Solarmodule gibt es beim Solarenergie-Förderverein
Deutschland e.V. unter www.sfv.de.

Zum Originalartikel in der Welt am Sonntag

Oliver Klempert